Ladeinfrastruktur
Überblick
Die Funktion Ladeinfrastruktur dient der Steuerung und dem Management mehrerer Ladepunkte innerhalb größerer Ladeparks. Im Fokus steht dabei nicht die Einzelsteuerung eines Ladepunkts, sondern ein übergeordnetes Lademanagement, das Netzgrenzen einhält und verfügbare Leistung effizient auf mehrere Ladepunkte verteilt.
Die Ladeinfrastruktur ist in der Kundenrolle über den Seitenpfad [Einstellungen > Ladeinfrastruktur] erreichbar.
Zielsetzung der Ladeinfrastruktur
Die Ladeinfrastruktur ist für Szenarien mit mehreren Wallboxen ausgelegt. Sie stellt sicher, dass definierte maximale Netzleistungen nicht überschritten werden und dennoch die angeschlossenen Fahrzeuge mit der jeweils möglichen Leistung versorgt werden.
Neben der Nutzung von Überschussenergie liegt der Schwerpunkt auf der kontrollierten Verteilung von Netzleistung unter Berücksichtigung von Prioritäten, Mindestladeleistungen und zeitlichen Toleranzen.
Hinweis: Die maximal zulässige Netzbezugsleistung wird über den AMPERIX® vorgegeben und von der Ladeinfrastruktur eingehalten.
Hinweis: Eine Ladeinfrastruktur kann über Expertenstrategien im AMPERIX® eingerichtet werden.
Konfiguration der Ladepunkte
Bei der Einrichtung der Ladeinfrastruktur wird jeder Ladepunkt einzeln konfiguriert. Für jeden Ladepunkt können unter anderem Priorität, Phasenanzahl, minimale Stromstärke und maximale Ladeleistung festgelegt werden.
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Die Priorität bestimmt die Reihenfolge der Leistungszuweisung bei begrenzter verfügbarer Energie. Eine niedrigere Zahl entspricht dabei einer höheren Priorisierung.
Die minimale benötigte Stromstärke für einen Ladevorgang ist normiert auf 6 Ampere. Daraus ergibt sich die minimale Fahrzeugladeleistung, die alternativ auch direkt als Watt‑Wert vorgegeben werden kann.
Info: Wird für die erwartete minimale Fahrzeugladeleistung der Wert 0 eingetragen, berechnet das System diesen Wert weiterhin aus der maximalen Stromstärke.
Maximale Ladeleistung je Ladepunkt
Für jeden Ladepunkt kann eine maximal gewünschte Ladeleistung definiert werden. Diese Grenze stellt sicher, dass einzelne Ladepunkte unabhängig von verfügbarer Energie nicht über ihre vorgesehene Leistung hinaus laden.
Diese Einstellung ist insbesondere relevant, wenn mehrere Ladepunkte gemeinsam an einem Netzübergabepunkt betrieben werden.
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Dauer der Ladefortsetzung bei Überschuss
Die Ladeinfrastruktur bietet die Möglichkeit, einen laufenden Ladevorgang auch dann fortzusetzen, wenn der verfügbare Überschuss kurzzeitig unter die minimale Ladeleistung fällt.
Hierfür wird eine maximale Dauer der Ladefortsetzung definiert. Innerhalb dieses Zeitfensters darf ergänzend Energie aus dem Netz bezogen werden, um den Ladevorgang nicht sofort abzubrechen.
Diese Funktion ist besonders bei stark schwankender PV‑Erzeugung, beispielsweise durch Bewölkung, sinnvoll.
Zusatzbezug zur Aufrechterhaltung der Mindestladeleistung
Zusätzlich zur zeitlichen Toleranz kann ein Zusatzbezug aus dem Netz freigegeben werden, um die minimale Fahrzeugladeleistung dauerhaft aufrechtzuerhalten. Der Zusatzbezug ist dabei auf einen definierten Maximalwert begrenzt, beispielsweise 2000 Watt.
Wird für einen Ladevorgang mehr Leistung aus dem Netz benötigt als freigegeben, wird dieser Ladevorgang beendet.
Optional kann die Einstellung „Zusatzbezug immer beziehen“ aktiviert werden. In diesem Fall wird der definierte Netzbezug dauerhaft bereitgestellt, zusätzlich zu vorhandenem Überschuss.
Achtung: Überschreitet der notwendige Netzbezug die konfigurierte Zusatzbezugsgrenze, wird der Ladevorgang unabhängig von der verbleibenden Ladezeit beendet.
Ladestarterkennungszeit
Die Ladestarterkennungszeit definiert den Zeitraum, in dem die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Wallbox abgewartet wird, bevor das EMS den Ladevorgang startet.
Kommt innerhalb dieses Zeitraums keine erfolgreiche Einigung zustande, wird der Startversuch abgebrochen und nach einer Wartezeit automatisch erneut durchgeführt.
Hinweis: Typische Kommunikationsprobleme lassen sich häufig durch erneutes Ab‑ und Anstecken des Fahrzeugs beheben.
Ladeleistungsverteilung
Die Ladeinfrastruktur unterstützt unterschiedliche Strategien zur Verteilung der Ladeleistung bei mehreren gleichzeitig aktiven Ladepunkten.
Bei einer fairen Verteilung wird die maximal verfügbare Netzleistung gleichmäßig auf alle aktiven Ladepunkte aufgeteilt, unabhängig von deren Priorität.
Bei einer priorisierten Verteilung werden die Ladepunkte anhand ihrer Priorität sortiert. Hoch priorisierte Ladepunkte erhalten bevorzugt zusätzliche Leistung und verfügbaren Überschuss, während niedriger priorisierte Ladepunkte auf ihre minimale Ladeleistung begrenzt werden.
VIP‑Laden
Mit der Funktion VIP‑Laden kann einem einzelnen Ladepunkt kurzfristig die maximal mögliche Ladeleistung zugewiesen werden. Diese Einstellung übersteuert temporär die normale Ladeleistungsverteilung.
Während VIP‑Laden aktiv ist, wird dem ausgewählten Ladepunkt bevorzugt Leistung zugewiesen, gegebenenfalls auf Kosten anderer Ladepunkte, jedoch immer innerhalb der definierten Netzgrenzen.
Achtung: VIP‑Laden beeinflusst die Gesamtverteilung der verfügbaren Leistung und kann andere Ladepunkte deutlich einschränken.
Nutzung von Überschussenergie
Die Ladeinfrastruktur kann so konfiguriert werden, dass primär PV‑Überschuss zum Laden verwendet wird. In diesem Modus werden zuerst Haushaltsverbraucher versorgt, anschließend verbleibender Überschuss den Ladepunkten zugewiesen.
Sinkt der Überschuss unter die minimale Ladeleistung, greifen die konfigurierten Mechanismen zur Ladefortsetzung und zum Zusatzbezug aus dem Netz.
Die Ladeinfrastruktur reagiert dynamisch auf Veränderungen der PV‑Leistung und beendet Ladevorgänge automatisch, wenn die festgelegten Grenzen überschritten werden.
Hinweis: Ob hauptsächlich Überschuss genutzt werden soll, wird in der verwendeten Energiedienstleistungs-Strategie auf dem AMPERIX eingestellt (Dienstleistung: Eigenverbrauchsoptimierung)
Ziel der Ansicht
Die Ansicht Ladeinfrastruktur dient dem kontrollierten, priorisierten und netzschonenden Betrieb mehrerer Ladepunkte. Sie ermöglicht ein belastbares Lademanagement für größere Ladeparks, unterstützt den effizienten Einsatz von Überschussenergie und stellt sicher, dass definierte Netzgrenzen jederzeit eingehalten werden.